Der Infocontainer auf der Überholspur

Der Tag hat 24 Stunden. Davon sind immerhin noch 4 übrig. Während der anderen 20 hat sich viel erledigt.
die Maschine

Alte Töpfe wollten quer durch Wien chauffiert werden, Wissenswertes über Bässe und deren Bespielung ließ sich in zahlbare Miete umwandeln und letztendlich hatten die Ohren eine feine, aber nicht unlaute Klangprobe eines Music-Man im Rahmen des rockmusikalischen Kreativprozesses zu konsumieren. Auge und Ohr sind dementsprechend leicht ermüdet, der nachmitternächtliche Snack, die äußerst erwähnenswerte Domsche Gemüselasagne, hervorragend und der Soundtrack zu dieser Szene stammt von Johann Sebastian Bach.

Wunderbar.
So weit, so entspannt.

Doch dann! Ein drängelnder Geistesblitz meint, der Protagonist habe aktiv zu bleiben. Und zwar im Rahmen der nächtlichen Onlinezeitung-Crossreading-Festspiele! Gedacht und umgesetzt. Der Motor ist wieder angeworfen: Headlines bäumen sich auf, werden zu Artikeln geklickt, Photodokus voyeuristisch vereinnahmt, die Foren nach Kommentaren durchscrollt. Dass da nicht viel Sinnvolles zu finden ist, ist mir natürlich mehr als bewusst, aber der Was-ist-los-Instinkt will sich nicht abwimmlen lassen. Der Geist taucht in den Rechner ein. Der Körper auch. Die Augen werden zur Digital-Analogen-Bildschnittstelle. Die Finger zu willenlosen Klickgeneratoren. Das Infotainment schlägt voll zu! Bilder müssen Knallen, Texte reißen und alles muss aufgesogen werden.

Der Blick schweift über einen vermeintlich schicksalhaften Post. Unmittelbar vor der abgeschlossenen Maschinwerdung des Menschen, lacht ein Link aus dem Forum heraus. Die Verheißung des totalen Wissens im Bildformat schwebt über ihm. Die ungebändigte Infolust öffnet. Das Hirn setzt die Pixel im Aug zusammen. Fehler!!! Das Bild geht den direkten Weg über das Rückenmark in die Finger. Panisches aktivieren der Closefunktion rechts oben. Geschlossen. Antiperistaltik? Das vorgefühlte Erbrechen wird mittels tiefer Atmung und Blick auf den Zimmerpflanze überwunden und verhindert – zurück in der Wirklichkeit. Frischluft. Fenster auf.

Verwunderung über den Poster und die Zeitung, die den Post mit dem Link online gelassen hat, macht sich breit.

Fazit? Der Infosog hat in voller Breitlage  zugeschlagen. Ein alternatives Unterhaltungsgerät sollte angedacht werden. Der Fernseher fällt in dieser Rolle schon länger aus. Wieso nicht die Waschmaschine? Die ist auch sehr spannend – hat dafür, insofern vorhanden, aber richtig relevanten Inhalt! Oder sie ist einfach nur so schön und schimmert ein bisschen. Nicht Rot, sondern Blau. Jetzt: Wasser trinken!
die innere Maschine
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