Sophia i Di,14.6 – Local

Veranstaltungen findet man normalerweise, wenn man hier klickt. Aber für manche Spezialität möchte ich diesen Blog offen halten. Wie folgend:

Sophia i spielen gemeinsam mit Milk+ am Dienstag, 14.Juni im Local unter der alten Stadtbahn in Wien Döbling.

Da nicht allen Lesern Sophia i ein Begriff sein wird, kommt hier ein längeres, biographisches Ausholen (inkl. Fachsimpelei, Detailverliebheit und Co). Für alle anderen steht das Eventbetreffende und der Player am unteren Ende des Textes.

In den letzten Tagen Kugel i’s gibt es eine handvoll Songs, die nicht mehr spielbar sind (anm. Kugel i war eine Wiener Drum’n’Bass live Electroband, bei der ich als Bassist mitwirkte). Die Band löst sich auf und ich verbleibe komponierend und produzierend im alten Proberaumstudio in Wien10. Anno ca.2003. In einenhalbjährigen Experimenten entsteht das erste selbstproduzierte Album . Da das Budget klein ist und gewisse Details nur im persönlichen Gehör liegen, kann ich den Mix nicht aus der Hand geben und mische selbst. Das führt dazu, dass dem Ton aus heutigem Ohr in manchen Momenten eine handwerkliche Jugend nachgesagt werden muss, dass aber wiederum die essentiellen Klänge so gestaltet sind, dass sie den Punkt genau treffen. Im Großen und Ganzen geht es da um das bewegliche Gefühl zwischen Klarheit und Verzerrung – sowohl durch Obertonsättigung mittels Fuzz und Kompression als auch durch Verstimmung und Dissonanz in Ton und Wort.

Mehrsprachigkeit wird zum integralen Bestandteil. Ein reguläres Bandgefüge gibt es nicht. Diese Zeit ist vom Kollektivcharakter geprägt, der sich aus den vielen mitwirkenden Musikern ergibt. Bei der Suche nach dem Namen für dieses Album und der Ästhetik kommt Sophia als bester Klang und Name in den Sinn. In Tradition an das kompositorische und sich austauschende Umfeld ist der Zusatz i die perfekte Ergänzung. Sophia i hallo! Das gleichnamige Album wird im Herbst 2005 bei Alp Fiction veröffentlicht (im Player: Selbstlebendig – Fremdbewusst). In Folge wird Österreich und der Balkan bis zu 11 köpfig wunderbar betourt.

Mit diesen Erfahrungen höre ich neue Motive, entwickelte das Programm weiter, verknappe die Texte und evolutioniere die Tanzrhythmen. Die Praxis zeigt später, dass diese Rhythmen nicht immer als unmittelbar tanzbar empfunden werden, die Musik dadurch aber, speziell live, sehr mantrisch und exzessiv wird. Das Experiment steht weiterhin an oberster Stelle und ab jetzt werden so gut wie alle synthetischen Klänge, mit Ausnahme weniger Pads, direkt über den E-Bass und Bodeneffekte produziert und der gesuchte Klang über die Spielweise und die jeweilige Verkettung der Modulatoren generiert. Die Nachbearbeitung dieses Rohmaterials beschränkt sich daher auf Kompression und EQ.

Die große Rolle in der grafischen Umsetzung spielt Doris Dittrich. Lange Treffen und intensive Gespräche begleiten uns. Es sollen neue Ufer angefahren und das Gewollte präzisiert werden. Letztendlich bestimmt das Artwork ein Photo-Shooting, bei dem im Blut gearbeitet wird. Die Kosten für einen halben Liter belaufen sich auf eine Packung Ildefonso. Es ist unsere erste künstlerische Auseinandersetzung mit Blut. Ekel und Anziehung liegen so nah aneinander, dass sie fast nicht trennbar sind. Abstoßend und geil. Eine Glasplatte dient als aufpressbare Projektionsfläche, die im jeweiligen Licht abfotografiert wird. Der sinnliche Ausdruck bestimmt letztendlich den Look. Damals war ich noch kein Vegetarier – wobei das zwei verschiedene Dinge sind. Auf jeden Fall wird es die gesichtgebende Essenz der entstehenden Drucksorten. Die EP heißt Lick my face und wird 2006 auf dem mit Thomas Macher neu gegründeten Label Kugel i veröffentlicht. (im Player: Lick My Face)

Es vergehen ein paar Monate. Ich werde mit der Bitte konfrontiert eine Version von Leaving On A Jetplane für einen Freund, in meinem Stil zu produzieren. Ein Tonikagefühl in Dur ist mir zu diesem Zeitpunkt äußerst unangenehm und ich kann die Nummer nur in parallel Moll ausarbeiten. Als der zweite, tragende Akkord plötzlich auch nach Moll rutscht und sich eine komplett neue Melodie in mein Ohr singt, komponiert sich aus Leaving On A Jetplane ein neuer Song heraus, den ich unbedingt umsetzen muss. Die Produktion wird abgesagt und Sarah Bidner, die schon die vorangegangene Sophia i Tour sang, singt über diesen Refrain den Text Mainstreamed and Gasmasked. Mit dem Sprechgesang der Kollegen Dominik Udolf und Ivan Pavlovic findet das Lied zwischen Englisch und Serbisch seinen Bogen. (im Player: Mainstreamed & Gasmasked)

Es gibt viel zu sagen. Die Welt dreht sich irgendwie schneller und es kommt eine Ahnung davon auf, was das bedeuten kann. Die deutsche Sprache bekommt meine vermehrte Aufmerksamkeit. Das Englische wird zum Stilelement. Das was speziell 2005 auf Sophia i filmmusikalischen Charakter hat (Filmmusik in Sarajevos Rosen – Regie: Gloria Dürnberger), will sich immer mehr im lyrischen Bild ausdrücken. Ich schreibe schnelle Texte mit hoher visueller Dichte. Die Musik wird geradliniger. Das echte Hybrid aus traditioneller Live Band und analoger, elektronischer Musik wird immer attraktiver und stellt sich als die beste Inszenierung für die neuen Lieder heraus. In Manuela Diem(Gesang), Engel Mayr(Gitarre) und Wolfgang Luckner(Drums) findet sich die Band und „i“ wird eingespielt. Die elektronische Postproduktion kann ich in einem zwischengemieteten Atelier in Wien3 machen. Ein ausgesprochen schöner Ort! Erstmals hat Sophia i mit dem Song Happiness auch ein Liebeslied auf der Scheibe und zum ersten Mal bekommt der Klang die druckvolle und bildhafte, gesuchte Komponente in den Drums und den Stimmen. Das aktuelle Album „i“ liegt bei Kugel i. (im Player: Neon)

Kurzum ist Sophia i mein Experimentierfeld, Herz und Baby, mit dem ich das Rad immer neu erfinden möchte. Hier sei DANKE! an alle gesagt, die für Sophia i eingesungen, eingespielt, eingegeigt, inspiriert, aufgenommen, gemischt, gemastert, organisiert, photografiert, getourt,… haben und werden. DANKE!

Ins Orange…

Die harten Fakten:

Zeit: Di,14.6 21h

Line Up: Milk+ / Sophia i

Ort: Local Bar Heiligenstädterstrasse 31/Stadtbahnbogen 217, 1190 Wien

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