Kitsch Beistrich Wild

Da knallt mir beim Bändigen meines Datenchaos ein Bild entgegen. Ich habe wohl den ersten Sonnenuntergang der Weltgeschichte festgehalten. Und das erst im Oktober 2012. Warum ist noch niemand vor mir auf diese Idee gekommen? Kamera in den Himmel. Knips. Naja, vielleicht finden sich Nachahmer. Das nächste bahnbrechende Motiv ist dann unter Umständen eine Kuh vor einem Berg. Bis dahin dürft ihr euch im wildesten Kitsch des Wienersten Westhimmels suhlen.

Draufklicken, dann wird es groß!

Selbstportrait

Zypriotscher Zyklop

Zypriotischer Zyklop

Der Homo Medialensis bereitet sich auf die Jagd vor. Hier sieht man einen Vertreter dieser Gattung bei 40°C im Schatten. Angetroffen wurde er am östlichen Mittelmeer. Nur die fotografischen Körperteile dieser Lebensform behalten ihre Schutzhülle. Der menschliche Körper wird entblößt und seine physische Belastbarkeit zu Gunsten der erleichterten Transpiration, zu Lasten der nur schwach pigmentierten Haut neu angepasst. Besondere Pflege durch einen halbflüssigen UV-Schutzverstärker trägt dieser auf seine Epidermis auf, um sich den ungewohnten Bedingungen zu stellen und das fremde Terrain schadlos durchqueren zu können.

Urzuheben – über den Eingottglauben in der Musikwirtschaft

Den Anstoß, diese schon öfter besprochenen Überlegung niederzutippen, gab ein vorangegangenes Bahngespräch und die soeben gefundene These4 von Zoe.Leelas Gema Stellungnahme.  Bitte sehr!

Stellungnahme bzgl des Werkes

Melodie paart sich mit Harmonie. Sie schaffen einen Raum. Wunderschön, tiefkalt, mit Hausrat zugeräumt, liebevoll dekoriert, komplett verdreckt, oder wie auch immer…

Dieser Raum vertitt den Begriff der Komposition. Ich als Komponist habe ihn gestaltet und eingerichtet, bzw. verunstaltet und hingerichtet. Das liegt im Auge des Betrachters. Der Raum ist gefüllt. Voll mit Inhalt, der bei mir Eindruck hinterlassen hat. Begeisterung ist die Basis der Sammlung. Jedes akustische Fragment und jedes Bruchstück eines Tons hat hier seinen Platz gefunden, weil es etwas Persönliches zum Klingen bringt.

Was spricht an, was nicht? Was wird behalten, was verworfen? Erinnerung, Erfahrungen, Erziehung und Prägungen ziehen einen roten Fäden hinter sich nach. Sie sind die inspirativen Geber und Quellen aus denen geschöpft wird. Entspannung und Verspannung werden vom eindrücklichen Universum bestimmt. Hier wird exklusiv gesungen und gespielt, was anderen Orts bereits erfahren wurde und sich durch seine Außergewöhnlichkeit festgesetzt hat. Von der großen Liebe bis zur wunderbaren, alten, aber bekannten Melodie, den Stimmen von Mutter und Großvater, dem polyphonen dröhnen der U-Bahn (höre: Röhre Meidling), dem Piepsen der Intensivstation, der legendär rückkoppelnden und ringmodulationsähnlich, interferrierenden Ansage in der Wiener U6, dem Plätschern des Wassers unterm Eis und dessen träges Brechen (Spree ole!),.. kann das alles sein. Musikalische Schöpfung passiert nicht aus einer Person heraus, sondern aus dem Zusammenspiel zwischen Person und Umwelt.

Skizze, noch flüssig

Der Komponist gießt Begeisterung in Form. Je nach Dringlichkeit der Inspiration klingt der Charakter des Werkes dann original oder kopiert. Melodie, Harmonie und dazwischenliegende Spannung werden persönlich interpretiert, nicht neu geschaffen. Der Komponist kann nicht alleiniger Urheber des Werkes sein, sondern ist zum größten Teil zusammenführende Kraft. An ihm kommen Stränge zusammen, die genau hier in spezieller, gemeinsamer Erscheinung lebendig werden. Vorhanden waren sie schon vorher. Benannt wird jetzt. Es ist denkbar den Komponisten als einen Hervorheber oder Formgeber zu betiteln, aber nicht als Urheber im Monopol. Der Urheber ist ein unüberschaubares Cluster von Einflüssen und Wechselspielen. Der Urheber ist sehr oft eine Entwicklung, die mehrere Generationen überlebt hat. Das Urherberrecht wird somit zum weitestverzweigten Thema und unabhängig von abgelaufenen Rechtsansprüchen und Rechtserbschaften zur historischen Abenteuerreise.

In den aktuellen Formulierungen der Verwertungsgesellschaften (GEMA, AKM, ASCAP,..) werden Komponist bzw. Autor aber als alleinige Urheber angeführt. Anders wäre eine Diskussion über Urheberrechtsverletzung als Grundinstrument der Klagen der Verwerter gar nicht möglich.  Ein Widerspruch zu obiger Ausführung. ACTA (speziell in der ersten Satzung) und ähnliche Versuche das Internet zu zensieren sind grundlegend unglückliche Wege, die mehr Schwierigkeiten als Lösungen bringen, weil sie die Natur des vernetzten, dezentralen Mediums vernachlässigen. Die Vielgliedrigkeit der Originale und die Maßgeblichkeit der Vordenker und Impulsgeber sollte uns, als Produzenten und Konsumenten (diese Rollen wachsen in uns zunehmend zusammen) wesentlich und bewusst sein. Mehrschichtigkeit und Bandbreite kann Altbewährtes und Bahnbrechendes gleichzeitig beherbergen und wechselwirkend beleben. Um in diese Richtung zu gelangen, gehören die Vermarktungs- und Verwertungskonzepte aber neu überdacht. Creative Commons und Ähnliches können einen Weg skizzieren. Dieser Text versteht sich als Anstoß. Vorschläge willkommen!

http://de.creativecommons.org/

http://www.akm.at/

https://www.gema.de/

http://www.zoeleela.com/thesen-zur-gema/

Meinen liebsten Su’Sis

Nachdem ich The Su’Sis neu bepressetexten durfte, gibts hier die entsprechende Nachlese:

Ahoi Baby, Swing!

Bühne frei der Superfrau – Mal Drei! Augenblicklich tanzt der Gleichschritt und der Charme küsst die Hand. Korken knallen laut und das schöne Leben möchte zelebriert werden:

Diese Bühne gehört The Su’Sis!

The Su'Sis (2012)

Das Tanzbein schwingt. Dem Rampenlicht wird der Schatten gestohlen. Bei mir bist du shein. Die Schwestern des Herzens, entführen ihr Publikum mit eleganter Stimme, von drei Zungen besungen, in einen entzückt erfüllten Raum. Man findet sich in im Variete wieder. Das New York der 1930er malt die Kulisse. Die Band spielt vornehm zurückhaltend, aber heiß und kompromisslos. Chordettes, Andrews und Boswell Sisters prägen den Schick der mehrstimmigen Vorlieben und der Swing wird in voller Blüte zur Schau gestellt. Tanzmusik aus Fleisch und Blut, Holz und Blech lässt jeden Knochen klappern und das Parkett zum Tatort werden. Schweiß in der Luft und Wein in der Ader. Hoch die Gläser für die Schau und den Spass! Die Gesellschaft will nicht warten.

Die Bühnenkante rast auf das Publikum zu. Der Hüftschwung ihr entgegen. Endorphine fluten das singende Trio und treiben es in die Offensive. Die Arrangements, aus eigener Feder, blühen auf und geben den Affen Zucker. Kontrabass und Drums swingen um die Gage. Das Klavier spielt den schwarzen Kaffee in den Whisky. Hinter den Ladys kocht und dampft, raschelt und zischt die Band wie eine aufgebäumte, hungrige Kobra, wird aber gekonnt von ihren Herrinnen in Zaum gehalten. Die Suche nach dem perfekten Johnny hat ein Ziel und einen Weg. Und der geht durch die Klubs, Varietes und Tanzsääle!

The Su’Sis haben einen Auftrag: Swing, Baby Swing!

The Su'Sis Backstage, Photo: Noot

Stimmen: Christiane Niederbacher , Alexandra Maria Grandl, Susanne Seiberl

Klavier: Dominik Beyer

Kontrabass: Benjamin Labschütz

Schlagzeug: Mat Meno

http://www.facebook.com/the.su.sis 

 

 

Format: Zeit

Das zu Schaffende möchte sehr oft für immer & ewig sein und bekommt, mitunter zu Recht, seinen nahezu endlosen Platz im Zeitfenster der Ausführenden. Das kreative Tun avanciert zum entspannten Geräkel im Schaumbad. Schöpferische Flitterwochen im Elfenbeinturm. Genußrecht bis zum geplanten Abgabetermin. Die kreativromantische Zweisamkeit findet oft ein, auf den ersten Blick, pragmatisches Ende. Schön, wenn sich eine zielsichere Annäherung ausgegangen ist.

24 HOURS "Time (2011/Birthmarkrecordings/Rebeat)

Meine besten Momente sind meistens zehn Minuten vor JetztaberSchuhezubindenmüssen. Oft findet die Kreativität ihren Höhenflug im Angesicht einer Wand der temporären Notwendigkeiten. Dass ich insofern kein Einzelgänger bin ist bekannt. Auch wenn es die glücklichen Ausnahmen gibt!

Zeitliche Begrenzung & verdichtetes, künstlerisches Schaffen – Filmformate mit der Vorgabe 48 Stunden Produktionszeit gibt es ja schon länger und zwei oder drei Musikerbiographien schreiben auch über mindestens ähnliche Stunts. Ab in die Experimentierküche! Das Birthmarkstudio gibt sich selbst 24 Stunden um einen Song von erster Mikrophonierung, über Arrangement und Aufnahme bis ins Mastering zu führen. Alles inklusive Videodreh, Kaffeepause und Akkuaufladelogistik. Ein Selbstversuch im Druckkochtopfformat. Die Plakatwand wird zum Leitfaden. Gib mir ein Ja oder Nein! Der Song heißt Time. Die Operation gelingt, der Patient lebt. Wie sich das anhört und ansieht – Bitte sehr, man klicke den Probanden: Viel Spaß!

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Auszug aus dem Köpenicker Personalbüro

Stimmen: Adora Odili & BadKat; Gitarre & Programmierungen: Niko Stössl; Bass: Georg Kostron; Schlagzeug: Daniel Bren; Musik: Georg Kostron ; Texte: Adora Odili & BadKat ; Produktion: Niko Stössl, Georg Kostron & Daniel Bren ; aufgenommen von Niko Stössl and Daniel Bren ; gemischt und gemastert von Niko Stössl ; Video: Gloria Dürnberger ; Videoschnitt: Gloria Dürnberger & Daniel Bren ; Maske: Christina Jandl ; Konzept: Daniel Bren

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Empfehlungen der Abteilungen für Absatzwirtschaft & Kommunikation

24 HOURS „Time“ hochoffiziell erwerben

Birthmark Studio Berlin
Badkat
Adora Odili
Gloria Dürnberger
Christina Jandl

E08775 auf der großen Reise

view MusicManE08775.pdf

Wie ihr vielleicht schon gehört habt ist mein lange gespielter Music Man einfach weg – Nicht freiwillig. So ein Tourbus ist schnell offen. Der Inhalt schnell dahin. Wir haben das große San Francisco und so manche seiner weniger netten Bewohner unterschätzt.

Kurzum: Der Bass ist weg und alle Nummern, die ihn zu etwas juristisch Beschreibbarem machen sind jetzt vorhanden. Deswegen hier nochmal ein kurzer Überblick, falls er jemandem unterkommt oder sich die Nummer über die Suchmaschinenwelt hierher verirrt (Englisch, weil ja die möglichen, helfenden Leser mehrheitlich amerikanisch sind):

have you seen this Music Man E08775 ?

MUSIC MAN STING RAY 5 – got stolen

Serial No E08775

According to Police Report 116132537 (San Francisco Police Department)

Color: Black, 5Strings, 1Pick Up

for detailed info click HERE (MusicManE08775.pdf) or copy and paste the link below into your browser

https://docs.google.com/viewer?a=v&pid=explorer&chrome=true&srcid=0B_UnFdQU2IdnNTA3ZDc0ZTktYmRjMS00ODVjLWE2NDYtYmQ1YTc2NGQ1ODAx&hl=de

info to be sent to E08775@gmail.com or SFPD.Central.Station@sfgov.org (mention #116132537)

THANKS FOR ANY HELP!!!   DANKE FÜR JEDE HILFE!!!

Sweet CoCo

Vorwort: Gerade als ich diesen Text ins Netz stellen wollte bekam ich die Nachricht meiner Mutter, dass mein Großvater gestorben ist – Scheinbar ziemlich genau als ich getippt hatte. Währenddessen war er mir mit seinen Geschichten und speziell seiner allerletzten Geschichte immer wieder sehr gegenwärtig. Zufall? Ich ließ etwas Zeit vergehen und hielt den Text noch unveröffentlicht. Ein bißchen Ruhe. Ein bißchen Stille.

In Gedenken Kurt Brichta – Ich wünsche dir, dass du deinen Frieden gefunden hast.

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Hier der Blog: Sweet CoCo

Der Himmel ist wolkenlos und ich trage eine graue Leinenhose mit weiten Seitentaschen. Sie ist hoch gekrempelt bis zu den Knien. Die Haare sind noch keine Dreadlocks, bereiten sich aber, zum Zopf geflochen, schon darauf vor. Ein Mazda steht in zweiter Spur vor, die Wiener U6 auf der Brücke über mir. Ich steige ins Auto des Gitarristen ein. Wir haben den 3ten! – Welch dunkelvisionäre Begrüßung. Unmittelbar betroffen ist Wien und speziell mein aktueller, zivilbedienter Lebensraum, das Pflegeheim, ja nicht. Es ist 2001 und die Uhr somit um zehn Jahre zurück gedreht.

Skizzen der Station 8. Für die meisten, der dort lebenden Menschen, ist die Welt ein Pendeln zwischen Medikamentenrausch, Essen und Besuch des Biotops im Park – mal mit uns Zivis, mal mit den lieben Verwandten. Im Rahmen dieser Spaziergänge rutscht das Russland der 1940er Jahre genauso in meine Wahrnehmung wie das Wien der 1950er. Welten zwischen Eisenbahnen, Schnee und Suppe tun sich auf. Irgendwo zwischen Sibirien, Siebenbürgen und Meidling lebt hier eine Realität, die nicht an den Rollstuhl gebunden ist und die für Sekunden durch die Demenz und die Wolke der Antidepressiva durchsehen und sprechen kann.

Es ist eine willkommene Ablenkung sich in diese Geschichten zu begeben. Die Tagespolitik ist wahnsinniger denn je und die Photogeilheit am Zenit der Möglichkeiten. Ein Loch aus Schutt, Rauch und Anschuldigungen entstellt das Zentrum der Weltwirtschaft und drängt sich auf die Titelseiten. Die viel zu große potentielle Gewalt ist spürbar. Es fühlt sich an als würden die Geschichten für die Geriatrien der Zukunft gerade lose, als erste Skizze, auf einen Block gekritzelt werden.

Umgeblättert und ins Jetzt gesprungen. Zehn Jahre später gibt es schon genauere Formulierungen. Gedenken und Bedenken werden zelebriert, zensiert und diskutiert. Etwas treibt uns. Proteste, Trauerfeiern, Verschwörungstheorien, Sonderausgaben von Magazinen, Sonderausgaben im Staatsschutz, verbilligtes Hundefutter bei Real, Billa und Aldi/Hofer,.. Mein Kollege Robert wird beauftragt einen Song für eben diese Zehnjährigkeit zu schreiben. Der Auftraggeber ist der Senat gmeinsam mit einem interreligiösen Verein. Interessen von allen Seiten: Kunst und Freiheit – und Politik – und Religion… Was entsteht ist so alt, wie kitschig und schön: Ein Song für das Miteinander. 

Blick vom Gesangsverein aus in die Regie

Deswegen stelle ich diesen Song vor: Sweet Co-Existance (Juga feat. Robert Lee Fardoe / Run United / 2011). Initiert vom Verein Juga und im Daily Hero Studio Berlin umgesetzt.

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Bitte sehr, Das Video zum Projekt:

Die brenntaugliche Datei im unfassbar hoch aufgelösten .wav Format (44,1/16): Sweet Co-Existance DOWNLOAD Wer hören und speichern will, der/die klicke!

Die Liste für die Gedächtnisübung an Hand der beteiligten Personen: Vox – Robert Lee Fardoe; Bass & Git – Georg Kostron; FX Git – Alex Kozmidi; Drums – Tom Mlynar; Chor – Rob Longstaff, Dana Shanti, Liesa Didoff, Marianne Neumann; Mix – Florian Nowak; Produktion – Johann Damm; Co-Produktion – Georg Kostron; Kamera – Lukas Fischer, Marius Riebandt; Schnitt – Florian Gerdin; Regie – Veit Tresch; Run United 2011

Juga juga-projekt.de

Run United run-united.de

Sophia i Di,14.6 – Local

Veranstaltungen findet man normalerweise, wenn man hier klickt. Aber für manche Spezialität möchte ich diesen Blog offen halten. Wie folgend:

Sophia i spielen gemeinsam mit Milk+ am Dienstag, 14.Juni im Local unter der alten Stadtbahn in Wien Döbling.

Da nicht allen Lesern Sophia i ein Begriff sein wird, kommt hier ein längeres, biographisches Ausholen (inkl. Fachsimpelei, Detailverliebheit und Co). Für alle anderen steht das Eventbetreffende und der Player am unteren Ende des Textes.

In den letzten Tagen Kugel i’s gibt es eine handvoll Songs, die nicht mehr spielbar sind (anm. Kugel i war eine Wiener Drum’n’Bass live Electroband, bei der ich als Bassist mitwirkte). Die Band löst sich auf und ich verbleibe komponierend und produzierend im alten Proberaumstudio in Wien10. Anno ca.2003. In einenhalbjährigen Experimenten entsteht das erste selbstproduzierte Album . Da das Budget klein ist und gewisse Details nur im persönlichen Gehör liegen, kann ich den Mix nicht aus der Hand geben und mische selbst. Das führt dazu, dass dem Ton aus heutigem Ohr in manchen Momenten eine handwerkliche Jugend nachgesagt werden muss, dass aber wiederum die essentiellen Klänge so gestaltet sind, dass sie den Punkt genau treffen. Im Großen und Ganzen geht es da um das bewegliche Gefühl zwischen Klarheit und Verzerrung – sowohl durch Obertonsättigung mittels Fuzz und Kompression als auch durch Verstimmung und Dissonanz in Ton und Wort.

Mehrsprachigkeit wird zum integralen Bestandteil. Ein reguläres Bandgefüge gibt es nicht. Diese Zeit ist vom Kollektivcharakter geprägt, der sich aus den vielen mitwirkenden Musikern ergibt. Bei der Suche nach dem Namen für dieses Album und der Ästhetik kommt Sophia als bester Klang und Name in den Sinn. In Tradition an das kompositorische und sich austauschende Umfeld ist der Zusatz i die perfekte Ergänzung. Sophia i hallo! Das gleichnamige Album wird im Herbst 2005 bei Alp Fiction veröffentlicht (im Player: Selbstlebendig – Fremdbewusst). In Folge wird Österreich und der Balkan bis zu 11 köpfig wunderbar betourt.

Mit diesen Erfahrungen höre ich neue Motive, entwickelte das Programm weiter, verknappe die Texte und evolutioniere die Tanzrhythmen. Die Praxis zeigt später, dass diese Rhythmen nicht immer als unmittelbar tanzbar empfunden werden, die Musik dadurch aber, speziell live, sehr mantrisch und exzessiv wird. Das Experiment steht weiterhin an oberster Stelle und ab jetzt werden so gut wie alle synthetischen Klänge, mit Ausnahme weniger Pads, direkt über den E-Bass und Bodeneffekte produziert und der gesuchte Klang über die Spielweise und die jeweilige Verkettung der Modulatoren generiert. Die Nachbearbeitung dieses Rohmaterials beschränkt sich daher auf Kompression und EQ.

Die große Rolle in der grafischen Umsetzung spielt Doris Dittrich. Lange Treffen und intensive Gespräche begleiten uns. Es sollen neue Ufer angefahren und das Gewollte präzisiert werden. Letztendlich bestimmt das Artwork ein Photo-Shooting, bei dem im Blut gearbeitet wird. Die Kosten für einen halben Liter belaufen sich auf eine Packung Ildefonso. Es ist unsere erste künstlerische Auseinandersetzung mit Blut. Ekel und Anziehung liegen so nah aneinander, dass sie fast nicht trennbar sind. Abstoßend und geil. Eine Glasplatte dient als aufpressbare Projektionsfläche, die im jeweiligen Licht abfotografiert wird. Der sinnliche Ausdruck bestimmt letztendlich den Look. Damals war ich noch kein Vegetarier – wobei das zwei verschiedene Dinge sind. Auf jeden Fall wird es die gesichtgebende Essenz der entstehenden Drucksorten. Die EP heißt Lick my face und wird 2006 auf dem mit Thomas Macher neu gegründeten Label Kugel i veröffentlicht. (im Player: Lick My Face)

Es vergehen ein paar Monate. Ich werde mit der Bitte konfrontiert eine Version von Leaving On A Jetplane für einen Freund, in meinem Stil zu produzieren. Ein Tonikagefühl in Dur ist mir zu diesem Zeitpunkt äußerst unangenehm und ich kann die Nummer nur in parallel Moll ausarbeiten. Als der zweite, tragende Akkord plötzlich auch nach Moll rutscht und sich eine komplett neue Melodie in mein Ohr singt, komponiert sich aus Leaving On A Jetplane ein neuer Song heraus, den ich unbedingt umsetzen muss. Die Produktion wird abgesagt und Sarah Bidner, die schon die vorangegangene Sophia i Tour sang, singt über diesen Refrain den Text Mainstreamed and Gasmasked. Mit dem Sprechgesang der Kollegen Dominik Udolf und Ivan Pavlovic findet das Lied zwischen Englisch und Serbisch seinen Bogen. (im Player: Mainstreamed & Gasmasked)

Es gibt viel zu sagen. Die Welt dreht sich irgendwie schneller und es kommt eine Ahnung davon auf, was das bedeuten kann. Die deutsche Sprache bekommt meine vermehrte Aufmerksamkeit. Das Englische wird zum Stilelement. Das was speziell 2005 auf Sophia i filmmusikalischen Charakter hat (Filmmusik in Sarajevos Rosen – Regie: Gloria Dürnberger), will sich immer mehr im lyrischen Bild ausdrücken. Ich schreibe schnelle Texte mit hoher visueller Dichte. Die Musik wird geradliniger. Das echte Hybrid aus traditioneller Live Band und analoger, elektronischer Musik wird immer attraktiver und stellt sich als die beste Inszenierung für die neuen Lieder heraus. In Manuela Diem(Gesang), Engel Mayr(Gitarre) und Wolfgang Luckner(Drums) findet sich die Band und „i“ wird eingespielt. Die elektronische Postproduktion kann ich in einem zwischengemieteten Atelier in Wien3 machen. Ein ausgesprochen schöner Ort! Erstmals hat Sophia i mit dem Song Happiness auch ein Liebeslied auf der Scheibe und zum ersten Mal bekommt der Klang die druckvolle und bildhafte, gesuchte Komponente in den Drums und den Stimmen. Das aktuelle Album „i“ liegt bei Kugel i. (im Player: Neon)

Kurzum ist Sophia i mein Experimentierfeld, Herz und Baby, mit dem ich das Rad immer neu erfinden möchte. Hier sei DANKE! an alle gesagt, die für Sophia i eingesungen, eingespielt, eingegeigt, inspiriert, aufgenommen, gemischt, gemastert, organisiert, photografiert, getourt,… haben und werden. DANKE!

Ins Orange…

Die harten Fakten:

Zeit: Di,14.6 21h

Line Up: Milk+ / Sophia i

Ort: Local Bar Heiligenstädterstrasse 31/Stadtbahnbogen 217, 1190 Wien

Faule Räder

Das ist doch eklig! Das sieht doch nicht hübsch aus!

Sie liegt auf dem Boden. Er sieht sie mit der Gewissheit an, dass sie zu nichts mehr gut ist und am schnellstmöglichen Weg entsorgt werden sollte. Dreckig, verbraucht und innerlich leer liegt sie hier auf der Wiese vor dem Kanal. Als er sich zu ihr hinunter beugt und seine Hand ihren Hals berührt, rührt sie sich nicht. Sie gibt auch kaum einen Laut von sich. Mit voller Wucht reißt er sie nach oben. Er stößt sie über die Kante. Das Wasser schlägt Wellen. Das Licht blitzt durch die Bäume und wirft ein Mosaik aus Hell und Dunkel auf sie. Dass Nass ist aufgebracht und der kleine Junge strahlt glücklich.

Der Vater sieht seinen Sohn belehrend an. Das ist doch eklig! Das sieht doch nicht hübsch aus! Du kannst nicht einfach so eine Flasche ins Wasser werfen! Der kleine Junge setzt kurz einen entschuldigenden Blick auf und bewundert dann wieder die wunderschön schwimmende Flasche. Sie hat ihren langen Weg aus der Hauptstadt des getrennten Mülls in Richtung Ostsee angetreten.

Zwei Schritte daneben sitze ich. Hier am Kanal. Daneben liegt mein Fahrrad. Es faulenzt im Schatten. Die letzten Tage waren durch die Gigs, die entweder winzigen oder riesigen Backstageräume, bevölkert mit Local Supports und schwedischen H&M Models, die Fliegererreicherei, den komplett verstauten Ruhrpott und einer durchsessenen ICEschen Odysee, die Augen von West bis Ost gegen die Fahrtrichtung gehalten, doch bewegter.

Jetzt: Pause! Schnell ein Rad gekauft – Brauch ich ja sowieso. Und von Grün zu Grün zu pilgern. Die Kurzhosenzeit ist auch in Berlin ausgebrochen. Zelebrieren! Diese Hose ist übrigens violett. In meiner Küche kocht mitunter ein ehemaliges Austria Maskottchen. Aber da gibt es keinen direkten Zusammenhang…

Das Rad, wenn es ganz faul in der Wiese liegt: